Boule Info

Ihr Breitensportverein

 

TuS 08

„Alea iacta est“, „die Würfel sind gefallen“. Julius Cäsar möge unsere Anleihe an seinen Ausspruch verzeihen, aber hätte er zur damaligen Zeit schon Pétanque gekannt (auch umgangssprachlich Boule genannt), dann wären bestimmt „die Kugeln“ als bleibendes Sprichwort gefallen.

 

(Aber wie um alles in der Welt der Autor dieses Artikels jetzt den Bogen von den Würfeln zu den Kugeln hinbekommen und sich vom alten Rom ins Frankreich, dem Geburtsort des Pétanque, retten soll, tja, vielleicht hilft ja ein wenig Geschichte zur Entstehung des Pétanque-Spiels weiter.)

 

Mit kriegerischen Absichten, in besagter Anleihe an den „Würfel-Spruch“ Cäsar’s, hat das französische Pétanque-Spiel eigentlich auch nichts zu tun, nur eigentlich?, na, sagen wir lieber, so ein bisschen „Angriffslust“ sollte schon in den Spielern dieses wirklich genialen Kugelsportes stecken.

 

Pétanque erblickte um 1907 das Licht der Welt in einer kleinen Hafenstadt (La Ciotat) in der Nähe von Marseille. Auf einem Bouleplatz im beschriebenen Hafenstädtchen, spielten einige Spieler eine bewegungsreichere Boule-Variante (Jeu Provencal). Jules LeNoir, ein sehr guter, aber auch schon „in die Jahre“ gekommener Spieler des „Jeu Provencal“, konnte an diesem Tag wegen seiner Beschwerden, vermutlich Rheuma, nicht am „schnellen Spiel“ teilnehmen. Das machte ihn natürlich ein wenig unglücklich und so begann er damit, die Kugeln nur so „zum Spaß“ von seinem Platz aus, in einer Entfernung von ca. drei Meter, zu werfen. Sein Freund, Ernest Piotet, beobachtete Jules bei seiner neuen, runden Leidenschaft, spielte ein „paar Kugeln“ mit und beide legten damit nun endgültig den Grundstein für eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte. Schnell schlossen sich weitere Spieler dieser „sanften Kugelsportvariante“ an. So um 1910 einigte man sich darauf, die Spieldistanz auf sechs Meter zu erhöhen und den Abwurf, stehend, aus einem Abwurfkreis zu vollziehen. Bis in die 50er Jahre des vorigen Jahrhundert warfen nur die Einheimischen in der Provence sowie im Süden Frankreichs, mehr oder weniger „unter sich“ mit den Kugeln nach dem „Schweinchen“. Anfang der 60er Jahre sollte sich dies ändern und Pétanque eroberte deutsches Spielgebiet. Es waren Bad Godesberger Spieler, die den ersten Boule Club Pétanque gründeten.

 

Boule (frz. für Kugel) wird gerne im umgangssprachlichen Sinne für den Kugelsport, so auch für Pétanque, gebraucht. Gespielt wird Pétanque i.d.R. innerhalb eines ca. 4x15 Meter großen Spielfeldes, (i.d.R. deshalb, weil bei Wettkämpfen rechteckig abgesteckte Flächen bevorzugt werden, bei Freundschaftsspielen aber nicht unbedingt in eng begrenzten Feldern gespielt wird). Pétanque ist abgeleitet aus dem frz. Begriff „pied tanquè“, bzw. „ped tanco“ und bedeutet, „Auf dem Boden fixierter Fuß“. Die Spielregeln schreiben deshalb auch vor, dass die Spieler ihre Füße vom Platz im Kreis erst dann abheben dürfen, wenn die gespielte Kugel den Boden berührt hat. Ziel des Spieles ist, eine Zielkugel aus einem auf den Boden gezeichneten Kreis (35-50 cm Durchmesser) mindestens sechs Meter und höchstens 10 Meter weit zu werfen. (Die Zielkugel besteht entweder aus Holz oder Kunststoff, mit einem Durchmesser von 25-33mm, wird auch „Schweinchen“ genannt, frz.: „cochonnet“).

 

Die Spielkugeln können aus verschiedenartigen Metallen bestehen, haben einen Durchmesser von 70,5 bis 80 mm und wiegen 650 bis 800 Gramm. Die Mannschaften bestehen entweder aus „drei gegen drei Spieler“, „Triplette“ genannt, mit jeweils 2 Kugeln pro Spieler, oder bei der „Doublette“, „zwei gegen zwei“ mit jeweils 3 Kugeln pro Spieler. Oder aber, es gibt auch das „Tete-A-Tete“, nur ein Spieler spielt gegen einen anderen, beide jeweils mit 3 Kugeln. Vor Beginn des ersten Durchgangs („Aufnahme“ im Fachjargon genannt) wird der „Beginner“ ausgelost, wir nennen ihn zur Unterscheidung „Blau“ und die zweite Mannschaft „Schwarz“, erklären also das ganze Spiel am Beispiel der „Doublette“. „Blau“ wirft das „kleine Schweinchen“ vom Startkreis auf die geforderte Entfernung, danach die Kugel und versucht mit dieser so nahe wie möglich, möglichst dicht vor (!) dem „Schweinchen“ zu landen. (Seitlich oder hinter der Zielkugel ist natürlich auch möglich, taktisch besser ist aber dicht vor dem Ziel.) Danach ist „Schwarz“ so lange an der Reihe, wie eigene Kugeln vorhanden sind, entweder näher an das „Schweinchen“ heranzukommen oder eine gegnerische Kugel, die unmittelbar vor oder kurz beim Ziel liegt, mit einem gezielten Wurf zu „verjagen“, sprich wegzuschießen. Gelingt dies „Schwarz“, ist „Blau“ wieder an der Reihe. Das geht so lange, bis beide Mannschaften alle Kugeln platziert haben. Bei einer „Aufnahme“ kann die Siegermannschaft entweder mit einem Punkt, aber auch mit sechs Punkten (bei der Doublette), siegen (jede Kugel einer Mannschaft, die näher am „Schweinchen“ liegt als die Bestplatzierte des Gegners, zählt einen Punkt). Die siegende Mannschaft beginnt eine weitere „Aufnahme“ mit dem Zeichnen eines neuen Abwurfkreises und zwar an der Stelle, an der das „Schweinchen“ aus der letzten „Aufnahme“ lag. Die Mannschaft, die nach mehreren „Aufnahmen“ zuerst 13 Punkte erspielt hat, ist der Satz-Gewinner. Die Faszination dieses Spiels lebt zum einen vom Gedanken des Wettkampfes aber auch von der Taktik und dem spielerischen Können der Kugelfreunde.

 

Es bedarf also wirklich der anfänglich beschriebenen „Angriffslust“ (natürlich freundschaftlich gemeint) um gegnerische Kugeln vom „Schweinchen“ fernzuhalten. Übrigens, Pétanque gehört zu den ganz wenigen Spielen, bei denen meisterliche Kugelplatzierungen und Würfe durchaus lobend und anerkennend vom Spielgegner(!) gewürdigt werden. Eine bemerkenswerte Geste, wie wir finden.

Zwei grundlegende Arten, die Kugel zu spielen, sollen auch noch kurz erwähnt werden. Entweder erweist man sich als „begnadeter Leger“ und platziert seine Kugel geschickt ganz dicht vor das „Schweinchen“ oder man hat soviel Augenmaß, um gegnerische Kugeln vom „Schweinchen“ gekonnt wegzuschießen. Manchmal liegt die eigene und gegnerische Kugel augenscheinlich in absolut gleicher Entfernung vom „Schweinchen“ entfernt, sodass entweder mit einem „Messfaden“ oder sogar mit einem Metermaß der nachfolgende Spieler oder auch Sieger „ausgemessen“ werden muss. Ganz wichtig und für angehende Spieler anfangs gewöhnungsbedürftig, ist die richtige Handhaltung beim „Schießen“ oder „Legen“. Man wirft mit der nach unten gewandten Handfläche. Beim Abwurf bekommt die Kugel dadurch einen gewissen „Rückdrall“, und wenn man nach einiger Zeit den richtigen Dreh raus hat, kann man dadurch die Spielkugel ein wenig „fernlenken“ und so Bodenbeschaffenheiten und auch Spielsituationen ausgleichen bzw. beeinflussen.

 

Pétanque lässt sich bevorzugt auf unbewachsenen Sandböden spielen, idealerweise unter Schatten spendenden Bäumen, wenn die Sonne es mal allzu gut meinen sollte. Kleine Unebenheiten des Bodens in Form von Rillen, kleinen Bodensenken oder Erhebungen machen das Spiel schwieriger, aber auch höchst spannend.

 

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass die zuletzt beschriebenen Gelände-Qualitäten auf der vereinseigenen Platzanlage des TuS 08 an der Hansastraße anzutreffen sind. Logischerweise nicht überall, sondern nur dort, wo sonntags von 11:00 Uhr bis 13:00 Uhr und dienstags von 19:00 Uhr bis 21:00 Uhr, mit Kugeln bewaffnete Spieler die Jagd auf das „Schweinchen“ eröffnen.

 

„Ein Spiel für die Seele“, titulierte mal eine große deutsche Wochenillustrierte und umschrieb das Spiel als „gefühlvolles Werfen von Eisenkugeln“ und „Entspannen im gemütlichen Wettstreit“.

 

„Besser kann man es nicht ausdrücken“, meint auch Ludger Friedrich, der im Jahre 2005, die Idee zur Gründung einer eigenen Pétanque-Gruppe hatte und auch heute diese Gruppe anführt. Eine sehr gute Idee, wie nicht nur wir meinen, und wer jetzt doch lieber die Kugeln anstelle „der Würfel“ werfen möchte, ja, dann hat die zu Beginn beschriebene Sache mit dem „Bogen“ doch noch ein gutes Ende genommen.